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Beschäftigungstherapeutisches Angebot in der Weberei

Förderungsbedürftige und förderungsfähige junge Menschen erhalten durch die Hilfe zur Erziehung eine realistische Möglichkeit, trotz ihrer Schwierigkeiten im Erziehungs-, Bildungs- und Persönlichkeitsbereich einen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden. Häufig fallen in der Praxis Lernbeeinträchtigungen wie z.B. Lernstörungen, Teilleistungsstörungen und Lernbehinderungen in Verbindung mit Verhaltensstörungen und emotionalen Störungen auf.

Durch eine berufsvorbereitende Maßnahme im Antonia-Werr-Zentrum, die v.a. im Rahmen des beschäftigungstherapeutischen Angebotes in unserer Weberei geleistet wird, können Jugendliche grundlegende Fähigkeiten für eine Berufsausbildung erwerben.

Ausgangspunkt der Förderung ist, vorhandene Leistungsblockierungen zu erkennen, deren Ursachen zu ergründen und möglichst zu beheben, um dann die Arbeitsbereitschaft und die Berufsreife fördern zu können. Durch projektorientierte, lebensnahe Arbeitsaufgaben sollen Erfolgserlebnisse vermittelt und die körperliche, seelische und intellektuelle Leistungsfähigkeit gehoben werden. Bei Bedarf kann durch Entlastung und individuell angepasste Anforderungen auf die jeweilige Leistungsfähigkeit eingegangen und eine Überforderung vermieden werden.

Die gemeinsame Arbeit wirkt sich auch auf die psychosoziale Entwicklung aus. Sie schafft Zusammengehörigkeitsgefühl, fördert die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und die soziale Kompetenz. Die Jugendlichen lernen, Verantwortung füreinander und für die Aufgabe zu übernehmen. Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit, Sauberkeit, Durchhaltevermögen, Diskretion und angemessenes Verhalten am Arbeitsplatz sind Schlüsselqualifikationen, die eingeübt werden. Durch die Vermittlung von Sicherheit, Wärme, grundsätzlicher persönlicher Akzeptanz sowie Ermutigung, Aufbau von Motivation, Selbstvertrauen und altersgemäßer Selbstverantwortung soll Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflusst werden.

Bei motorischen Störungen werden z.B. durch Wolle wickeln und verhäkeln, Stoffe reißen und schneiden, Teppiche weben, abknoten und abnähen der körperliche Bewegungsablauf und die Feinmotorik geübt. Räumliches Denken wird z.B. durch das Sortieren von Webkantenstreifen gefördert. Arbeitsabläufe werden zuerst ohne Leistungsdruck in kleinen und kleinsten Schritten erklärt.

Wenn der Arbeitsablauf „begriffen„ ist, kann auch das Arbeitstempo angepasst werden. Motivierend wirkt hierbei der „Lohn“: einen Teppich für sich selbst weben zu dürfen. Bestätigung gibt es auch durch Aufträge, die von außerhalb des Hauses kommen. Wie in der freien Wirtschaft werden Bestellungen angenommen, die nach Größe, Material, Farbauswahl und Komposition nach den Wünschen der Kunden angefertigt werden. Sonderbestellungen sind dabei keine Seltenheit, denn der „Teppich von der Stange“ entspricht nicht immer den Vorstellungen der Kunden. Abgerechnet wird nach Größe und Qualität, was eine weitere Bestätigung für die erbrachte Leistung ist: sie wird bezahlt.

Durch das beschäftigungstherapeutische Angebot in der Weberei soll die Grundlage geschaffen werden, mit einer Ausbildung zu beginnen. Dies eröffnet die Zukunftsperspektive, später selbständig seinen Lebensunterhalt durch eine berufliche Tätigkeit bestreiten zu können.

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