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Antonia Werr Zentrum  > Erzieherische Hilfen  > Heilpädagogische Angebote

Spiel-Sport

Ein heilpädagogisches Angebot zur psychomotorischen Behandlung von Mädchen und jungen Frauen

Im Rahmen der erzieherischen Hilfen findet gruppenübergreifend einmal wöchentlich das heilpädagogische Spiel-Sport-Angebot statt.

Konzept

Dieser methodische Ansatz (konzipiert von Albert Müller, ÜBBZ Würzburg) hat einen wirksamen Einfluss auf die emotional-sozialen Störungen der Mädchen und jungen Frauen und beeinflusst deren Entwicklung positiv. Sport und Spiel wird als Medium genutzt. Neben dem Ausbau der sportlichen Fähigkeiten und der Entwicklung eines positiven Körpergefühls werden die Teilnehmerinnen in ihrer emotionalen Kompetenz durch Erfolgserlebnisse gefördert. Im Vordergrand steht die Gruppendynamik der Psychomotorikgruppe und die damit verbundenen Lernfelder. Durch verschiedene Gruppenübungen können die Teilnehmerinnen sich im Tun mit den anderen auseinandersetzen und sich selbst als wirksamen Teil der Gruppe erleben. Störungen und Konflikte werden in der jeweiligen Situation bearbeitet und jede Teilnehmerin als Gruppenmitglied daran beteiligt. Den Teilnehmerinnen wird es ermöglicht, über sich ein neues Bild zu entwickeln und zu verstehen, wie ihr Verhalten auf die Gruppe wirkt. Die Bedeutsamkeit der Einzelnen im Gruppenprozess und welche Alternativen zur Lösung von Konflikten die Gruppenteilnehmerinnen selbst entwickeln werden aufgezeigt. Ziel ist eine begeisterungsfähige und handlungsfähige Gruppe, die eigenverantwortlich zum Verlauf der Spiel-Sport-Stunden beiträgt.

Die Spiel-Sport-Stunde kann in mehrere Bereiche gegliedert werden, die je nach der momentanen Gruppensituation variiert werden.

Individualspielzeit

In diesem Teil, der zumeist zu Beginn der Spiel-Sport-Stunde stattfindet, können die Mädchen ihren eigenen Interessen und Bedürfnisse nachgehen. Hierfür stehen ihnen eine Vielzahl von Spiel- und Sportgeräten zur Verfügung. Den Teilnehmerinnen ist es freigestellt, dies alleine, mit anderen oder den Gruppenleiterinnen zu gestalten.

Geplantes Angebot

Dieser Teil besteht aus einem geplanten Angebot, das von den pädagogischen Fachkräften des Spiel-Sport-Teams in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation der Gruppe vorbereitet und durchgeführt wird. Vorrangig werden Gruppenübungen angeboten, aber auch Spiele, in denen die Teilnehmerinnen sich messen können und Gewinnen und Verlieren erlebt werden kann. Viele erlebnispädagogische Elemente fließen hier mit ein, und die sportlichen Stärken der einzelnen Gruppenleiterinnen bereichern das Bewegungsrepertoire der Teilnehmerinnen. Die Teilnehmerinnen selbst können in Absprache mit den Leiterinnen ihre Stärken z. B. Einstudieren eines Tanzes an die Gruppe weitergeben.

Gruppenspiel

In diesem Teil haben die Gruppenmitglieder die Aufgabe, sich gemeinsam für ein abschließendes Gruppenspiel zu entscheiden. Dabei ist es sehr wichtig, dass jede Einzelne in ihrem Wunsch gehört wird und in demokratischer Gruppenabstimmung oder durch Finden von Kompromissen eine Einigung stattfindet. Die Gruppenentscheidung zu akzeptieren und auch bei Unlust aktiv teilzunehmen, ist ein weiteres Lernfeld. Auch hierbei ist die Gruppendynamik von Bedeutung.

Reflexionsrunden

Vor oder nach einem Abschnitt innerhalb der Spiel-Sport-Stunde wird innegehalten und die Gruppe setzt sich im Kreis. Die Teilnehmerinnen werden aufgefordert, sich über ihr Erleben auszutauschen. Durch die Art der Fragestellungen soll das eigene Verhalten und dessen Auswirkungen auf die Gruppe bewusst werden. Die Teilnehmerinnen lernen auch, den anderen angemessene Rückmeldung zu geben und mit Kritik positiv umzugehen. Aber auch das Berichten von Erfolgserlebnissen und Äußern von Wünschen und Ideen hat hier seine Berechtigung.
Zu Beginn eines Schulhalbjahres setzen sich die Teilnehmerinnen selbst Ziele im sportlichen und sozialen Bereich. In Reflexionsrunden nach einigen Stunden überprüfen die Teilnehmerinnen ihren Stand und markieren mit Hilfe eines Rohres und mit Tennisbällen, wie nahe sie ihrem gesetzten Ziel gekommen sind. Diese Reflexionsrunden sind fester Bestandteil der Spiel-Sport-Stunden.

Einfrieren

Beim Auftreten von Konflikten wird die jeweilige Situation „eingefroren“, d.h. die Teilnehmerinnen bleiben an ihrer momentanen Position stehen, um plastisch darzustellen, wie sich der Konflikt gerade darstellt. Sehr schnell finden die Teilnehmerinnen selbst die Ursache und den „Knackpunkt“ heraus und entwickeln Ideen, wie der Konflikt gelöst werden kann. Die betroffenen Teilnehmerinnen erhalten zu ihrem Verhalten von den anderen Gruppenmitgliedern Rückmeldung und müssen lernen damit umzugehen. Ein einfühlsames und klares Leiten der Konfliktrunden durch die Gruppenleiterinnen ist hier erforderlich.

Dokumentation

Die Gruppenleiterinnen dokumentieren die einzelnen Spiel-Sport-Stunden. Für jede Teilnehmerin wird eine kurze Zusammenfassung der Beobachtungen ihrer Entwicklung in den Einheiten erstellt. Diese Aufzeichnungen werden den pädagogischen Fachkräften in den Wohngruppen weitergegeben.

Tradition

Dieses heilpädagogische Angebot ist seit 1993 fester Bestandteil im Antonia-Werr-Zentrum. Die Mädchen und jungen Frauen haben gemeinsam in der Gruppe Spaß und Freude an der Bewegung, können seelische Spannungen abbauen und einen Ausgleich zum Alltag finden.
Das Angebot findet Dienstag von 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr in der Turnhalle oder im Freien in der Umgebung des Antonia-Werr-Zentrums - derzeit unter der Leitung von Melanie Müller, Alwina Stotskij, Sonja Schneider, Patricia Bassetti und Nicole Hettrich statt.